EU-Amtsblatt und TED
Im EU-Amtsblatt erscheinen alle Vergaben oberhalb der EU-Schwellenwerte, TED ist das Onlineportal dazu. Schwellenwerte 2026, Inhalt der Bekanntmachungen, Nutzen.
Aktualisiert am 5. September 2026
Das Amtsblatt der Europäischen Union ist die amtliche Veröffentlichung, in der Bekanntmachungen über öffentliche Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte erscheinen müssen. TED, Tenders Electronic Daily, ist das Portal, das die Vergabebeilage des Amtsblatts kostenlos und in allen Amtssprachen der Union online zugänglich macht.
Wie es funktioniert
Die EU-Vergaberichtlinien schreiben die Veröffentlichung im Amtsblatt für jeden Auftrag vor, dessen geschätzter Wert die von der Kommission festgelegten Schwellenwerte erreicht. Für den Zeitraum 2026 bis 2027 liegen sie bei 140.000 € netto für Liefer- und Dienstleistungen zentraler Bundesbehörden, 216.000 € netto für Länder, Kommunen und die übrigen öffentlichen Auftraggeber, 432.000 € netto für Sektorenauftraggeber sowie 5.404.000 € netto für Bauleistungen und Konzessionen. Einzelheiten finden Sie auf der Seite zu den Schwellenwerten.
Oberhalb dieser Beträge führt der Auftraggeber ein EU-weites Vergabeverfahren durch und übermittelt die Bekanntmachung an das Amt für Veröffentlichungen der EU. In Deutschland kommt die Meldung an den nationalen Bekanntmachungsdienst hinzu; die nationale Veröffentlichung darf nicht vor der Absendung nach Brüssel erfolgen und keine zusätzlichen Angaben enthalten. Betroffen sind Vorinformationen, Auftragsbekanntmachungen, Berichtigungen und Vergabebekanntmachungen.
Seit 2024 werden die Bekanntmachungen nach den europäischen eForms erstellt. Sie strukturieren die Angaben einheitlich: Auftraggeber, CPV-Codes, Erfüllungsort, geschätzter Wert, Verfahrensart, Fristen, Kriterien. TED lässt sich nach Land, CPV-Code, Stichwort und Datum durchsuchen und stellt die Daten als offene, weiterverwendbare Datensätze bereit.
Was das für ein Unternehmen bedeutet
Über TED sind die größten Aufträge in Deutschland, Österreich und den übrigen Mitgliedstaaten zugänglich. Ein kleines oder mittleres Unternehmen kann sich dort ebenso bewerben wie ein Konzern, allein oder in einer Bietergemeinschaft. Die Verfahren dauern länger und sind formeller, bieten aber gesetzliche Mindestfristen, die deutlich komfortabler sind als bei einer Unterschwellenvergabe.
Für die deutsche Marktbeobachtung überschneidet sich TED oberhalb der Schwellenwerte mit dem nationalen Bekanntmachungsdienst, bleibt aber wertvoll für Vorinformationen, die Aufträge Monate im Voraus ankündigen, und für die Beobachtung der Nachbarländer. In Österreich, wo unterhalb der Schwellenwerte kein einheitliches Portal existiert, ist TED oft die einzige zentrale Quelle.
Achten Sie auf die Beträge: Ein im Amtsblatt veröffentlichter Auftrag ist nicht zwingend riesig. Eine Rahmenvereinbarung über Dienstleistungen einer Stadt mit 250.000 € netto über vier Jahre steht dort ebenfalls.
Beispiel
Ein Universitätsklinikum schreibt den Transport von Laborproben neu aus, geschätzter Wert 380.000 € netto über vier Jahre. Der Betrag überschreitet 216.000 €: Die Klinik veröffentlicht die Bekanntmachung über TED und meldet sie an den nationalen Bekanntmachungsdienst. Ein regionaler Medizinkurierdienst, der auf den CPV-Code für Kurierdienste eine Benachrichtigung eingerichtet hat, gibt ein Angebot ab und gewinnt zwei der drei Lose.
Häufige Fragen
Kostet die Nutzung von TED etwas?
Nein. Recherche und Benachrichtigungen auf TED sind kostenlos, und auch die Veröffentlichung ist für die Auftraggeber gebührenfrei.
Wird eine im Amtsblatt veröffentlichte Bekanntmachung auch national veröffentlicht?
Ja. Deutsche Auftraggeber melden Oberschwellenvergaben zusätzlich an den nationalen Bekanntmachungsdienst, allerdings erst nach der Absendung an die EU und ohne weitergehende Angaben.
Darf man sich auf einen Auftrag aus einem anderen Mitgliedstaat bewerben?
Ja. Der freie Zugang gilt unionsweit. Vergabeunterlagen und Angebot sind in der Regel in der Sprache des Auftraggebers zu erstellen.