Unterschwellenvergabe
Unterhalb der EU-Schwellenwerte gelten UVgO, VOB/A und Landesrecht. Verfahrensarten, Wertgrenzen für Direktaufträge 2026 und praktische Hinweise für KMU.
Aktualisiert am 5. September 2026
Die Unterschwellenvergabe ist die Vergabe eines öffentlichen Auftrags, dessen geschätzter Wert unter den EU-Schwellenwerten liegt. Das strenge Kartellvergaberecht des GWB gilt hier nicht; maßgeblich sind das Haushaltsrecht, die UVgO für Liefer- und Dienstleistungen, die VOB/A für Bauleistungen und die Vergabegesetze der Länder. Es ist die mit Abstand häufigste Form der Vergabe und der natürliche Einstieg für kleine und mittlere Unternehmen.
Wie es funktioniert
Unterschwellig ist ein Auftrag, dessen Wert 140.000 € netto (Liefer- und Dienstleistungen zentraler Bundesbehörden), 216.000 € netto (Länder, Kommunen und übrige öffentliche Auftraggeber) oder 5.404.000 € netto (Bauleistungen) nicht erreicht; die Schwellenwerte 2026 bis 2027 sind auf der Seite zu den Schwellenwerten im Einzelnen aufgeführt.
Zur Wahl stehen die Öffentliche Ausschreibung, die Beschränkte Ausschreibung mit oder ohne Teilnahmewettbewerb, die Verhandlungsvergabe und der Direktauftrag. Öffentliche Ausschreibung und Beschränkte Ausschreibung mit Teilnahmewettbewerb haben grundsätzlich Vorrang; die übrigen Verfahren sind an Wertgrenzen oder Sachgründe geknüpft.
Diese Wertgrenzen sind der Kern der Sache und unterscheiden sich je nach Auftraggeber. Auf Bundesebene sind Direktaufträge bei Liefer- und Dienstleistungen bis 15.000 € netto zulässig, befristet bis Ende 2027, bei Bauleistungen seit dem 1. Januar 2026 bis 50.000 € netto (verified 2026-09-05); das Vergabebeschleunigungsgesetz hebt die Grenze für Liefer- und Dienstleistungen ebenfalls auf 50.000 € netto an. Die Länder setzen eigene, teils deutlich höhere Wertgrenzen und ändern sie häufig: Prüfen Sie stets die Vergabevorschrift des Landes, in dem der Auftraggeber sitzt. In Österreich ist die Direktvergabe im BVergG 2018 geregelt; eine befristete Verordnung hatte die Grenze bis Ende 2025 auf 100.000 € netto angehoben, ihr aktueller Stand ist beim USP zu prüfen.
Bekannt gemacht wird auf der Vergabeplattform des Auftraggebers, ergänzt durch den nationalen Bekanntmachungsdienst oder Tageszeitungen. Mindestfristen sind nicht durchgängig vorgeschrieben, müssen aber angemessen sein. Eine Verhandlung ist bei der Verhandlungsvergabe möglich, sonst nicht.
Was das für ein Unternehmen bedeutet
Unterschwellig heißt weniger formell, nicht weniger ernst. Die Unterlagen sind kürzer, die Fristen oft knapp, und der Auftraggeber hat mehr Spielraum, ein reaktionsschnelles regionales Unternehmen oder eine passgenaue Lösung zu honorieren.
Für ein KMU lautet die Strategie: schnell und vollständig antworten, schon im ersten Angebot realistisch kalkulieren und Argumente für die Verhandlung vorbereiten. Weil die Bekanntmachungen über viele Landes- und Kommunalplattformen verstreut sind, muss die Marktbeobachtung diese Plattformen abdecken, nicht nur den Bekanntmachungsdienst des Bundes. Rechtsschutz vor der Vergabekammer gibt es unterhalb der Schwellenwerte nicht; bleibt der Weg über die Rüge beim Auftraggeber, die Fachaufsicht oder die Zivilgerichte.
Beispiel
Eine Gemeinde will im Mai 2026 den Internetauftritt des Rathauses erneuern, geschätzter Wert 45.000 € netto. Der Betrag liegt weit unter dem EU-Schwellenwert. Die Gemeinde führt eine Verhandlungsvergabe durch, fordert drei Webagenturen zur Angebotsabgabe auf, vergleicht die Angebote und beauftragt eine vierköpfige Agentur aus dem Landkreis.
Häufige Fragen
Darf unterschwellig verhandelt werden?
Ja, wenn der Auftraggeber eine Verhandlungsvergabe wählt und dies in den Unterlagen ankündigt. Bei einer Öffentlichen Ausschreibung sind Verhandlungen über die Angebote unzulässig.
Welche Frist gilt für die Angebotsabgabe?
Eine feste Mindestfrist gibt es meist nicht. In der Praxis sind zwei bis vier Wochen üblich, bei kleinen Beschaffungen auch weniger.
Wird eine Unterschwellenvergabe über TED bekannt gemacht?
Nein. Die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt ist erst ab den EU-Schwellenwerten verpflichtend, wo das Verfahren zur Oberschwellenvergabe wird.