Schwellenwerte im Vergaberecht

Schwellenwerte 2026: EU-Werte von 140 000, 216 000 und 5 404 000 €, Wertgrenzen für Direktauftrag und Beschränkte Ausschreibung. Tabellen und Erläuterungen.

Aktualisiert am 5. September 2026

Schwellenwerte sind die Nettobeträge, ab denen für einen öffentlichen Auftrag strengere Regeln für Bekanntmachung und Wettbewerb gelten. Je höher der geschätzte Auftragswert, desto förmlicher das Verfahren: vom Direktauftrag über die Unterschwellenvergabe bis zum EU-weiten Vergabeverfahren.

Wie es funktioniert

Zwei Ebenen greifen ineinander. Die EU-Schwellenwerte werden alle zwei Jahre von der Europäischen Kommission festgesetzt und entscheiden über die Anwendung des Kartellvergaberechts, also des vierten Teils des GWB mit VgV, SektVO, KonzVgV und VSVgV, und über die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt über TED. § 106 GWB verweist dynamisch auf diese Werte, sodass jede Anpassung durch die Kommission unmittelbar in Deutschland gilt (verified 2026-09-05). Unterhalb dieser Werte regeln Haushaltsrecht, UVgO und VOB/A das Verfahren, ergänzt durch die Vergabegesetze der Länder.

EU-Schwellenwerte vom 1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2027

Gegenstand Auftraggeber Schwellenwert
Liefer- und Dienstleistungen Bund, zentrale Regierungsbehörden 140 000 €
Liefer- und Dienstleistungen Länder, Kommunen, sonstige öffentliche Auftraggeber 216 000 €
Liefer- und Dienstleistungen Sektorenauftraggeber (Wasser, Energie, Verkehr, Post) 432 000 €
Bauleistungen alle Auftraggeber 5 404 000 €
Konzessionen (Bau und Dienstleistungen) alle Auftraggeber 5 404 000 €
Soziale und andere besondere Dienstleistungen öffentliche Auftraggeber 750 000 €
Soziale und andere besondere Dienstleistungen Sektorenauftraggeber 1 000 000 €
Verteidigung und Sicherheit, Liefer- und Dienstleistungen 432 000 €
Verteidigung und Sicherheit, Bauleistungen 5 404 000 €

Die Werte liegen rund zwei bis zweieinhalb Prozent unter denen von 2024 und 2025, die 143 000, 221 000, 443 000 und 5 538 000 € betrugen. Maßgeblich ist die Art des Auftraggebers: eine Bundesbehörde ab 140 000 €, eine Stadt oder ein Klinikum ab 216 000 €, ein Sektorenauftraggeber ab 432 000 €. Die nächste Anpassung erfolgt zum 1. Januar 2028.

Wertgrenzen unterhalb der EU-Schwellenwerte

Wertgrenze Betrag netto Grundlage
Direktauftrag, Liefer- und Dienstleistungen 1 000 € § 14 UVgO
Direktauftrag, Bauleistungen 3 000 € § 3a Absatz 4 VOB/A
Freihändige Vergabe, Bauleistungen 10 000 € § 3a Absatz 3 VOB/A
Beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb, Ausbaugewerke ohne Energie- und Gebäudetechnik, Landschaftsbau, Straßenausstattung 50 000 € § 3a Absatz 2 VOB/A
Beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb, übrige Gewerke 100 000 € § 3a Absatz 2 VOB/A
Beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb, Tief-, Verkehrswege- und Ingenieurbau 150 000 € § 3a Absatz 2 VOB/A

Diese Werte gelten für den Bund. Die UVgO tritt nicht durch ihre Bekanntmachung in Kraft, sondern erst durch das Haushaltsrecht des Bundes beziehungsweise der Länder, und fast alle Länder haben eigene, meist deutlich höhere Wertgrenzen erlassen, teils bis 100 000 € für Verhandlungsvergaben ohne Teilnahmewettbewerb. Prüfen Sie deshalb immer das Vergabegesetz oder den Vergabeerlass des Landes, in dem der Auftraggeber sitzt. In Österreich regelt das Bundesvergabegesetz die Unterschwellenvergabe, wobei der Schwellenwert für die Direktvergabe durch eine eigene Schwellenwerteverordnung angehoben wurde; den geltenden Betrag entnehmen Sie der aktuellen Fassung.

Maßgeblich für den Vergleich ist stets der geschätzte Gesamtwert des Auftrags ohne Umsatzsteuer, über die volle Laufzeit einschließlich Verlängerungsoptionen. Eine Aufteilung nur zu dem Zweck, unter einen Schwellenwert zu kommen, ist unzulässig.

Was das für Unternehmen bedeutet

Die Schwellenwerte sagen Ihnen, wo Aufträge sichtbar werden und mit welchem Aufwand Sie rechnen müssen. Ganz kleine Beschaffungen laufen als Direktauftrag ohne Verfahren: Hier zählt die direkte Ansprache der Vergabestelle, nicht die Marktbeobachtung. Bei Beschränkter Ausschreibung und Verhandlungsvergabe fordert der Auftraggeber ausgewählte Unternehmen auf; wer in seiner Bewerberliste steht, wird gefragt, weshalb sich eine Registrierung auf den Plattformen der Länder lohnt. Ab den Wertgrenzen für Öffentliche Ausschreibungen erscheinen die Aufträge auf den Vergabeplattformen und im nationalen Bekanntmachungsdienst, oberhalb der EU-Schwellenwerte zusätzlich auf TED.

Für kleine und mittlere Unternehmen ist der Unterschwellenbereich meist das zugänglichere Feld: kürzere Unterlagen, kürzere Fristen, regionale Auftraggeber und häufiger die Möglichkeit zu verhandeln.

Beispiel

Eine Gemeinde mit 8 000 Einwohnern will die Möblierung ihrer Bibliothek erneuern; der geschätzte Wert beträgt 70 000 € netto. Der Auftrag liegt weit über der Grenze für einen Direktauftrag, aber deutlich unter dem EU-Schwellenwert von 216 000 €. Die Gemeinde vergibt daher unterhalb der Schwelle nach den Regeln ihres Landes und veröffentlicht die Bekanntmachung auf der Vergabeplattform des Landes. Läge der Bedarf bei 250 000 €, müsste sie ein EU-weites offenes Verfahren mit Bekanntmachung auf TED durchführen.

Häufige Fragen

Gelten die Schwellenwerte netto oder brutto?

Immer netto, also ohne Umsatzsteuer. Der geschätzte Wert umfasst alle Optionen und Verlängerungen.

Darf ein Auftraggeber mehr tun, als der Schwellenwert verlangt?

Ja. Er kann unterhalb der Schwelle europaweit ausschreiben oder freiwillig öffentlich bekannt machen. Der Schwellenwert ist eine Untergrenze, keine Obergrenze.

Warum unterscheiden sich die Wertgrenzen von Land zu Land?

Weil die UVgO und die Wertgrenzen der VOB/A jeweils durch Landesrecht in Kraft gesetzt werden. Jedes Land kann eigene, meist höhere Grenzen festlegen.

Verwandte Begriffe

Scoutee überwacht Bekanntmachungen auf allen Ebenen, von den Plattformen der Länder bis zu TED.

Glossar der öffentlichen Auftragsvergabe