CPV-Codes
CPV-Codes ordnen den Gegenstand europäischer Vergabeverfahren einer einheitlichen Systematik zu. Aufbau, Nutzung in Bekanntmachungen und Tipps für die Ausschreibungssuche.
Aktualisiert am 5. September 2026
CPV-Codes, kurz für Common Procurement Vocabulary oder Gemeinsames Vokabular für öffentliche Aufträge, sind die europäische Systematik, die Bau-, Liefer- und Dienstleistungen öffentlicher Aufträge klassifiziert. Jede Bekanntmachung im EU-Amtsblatt oder auf dem nationalen Bekanntmachungsservice nennt einen oder mehrere CPV-Codes, die den Auftragsgegenstand beschreiben.
Wie es funktioniert
Die Systematik beruht auf einer EU-Verordnung. Das Hauptvokabular umfasst mehrere tausend achtstellige Codes mit einer Prüfziffer, hierarchisch aufgebaut:
- die ersten beiden Ziffern bezeichnen die Abteilung (etwa 45 für Bauarbeiten, 72 für IT-Dienstleistungen, 90 für Abwasser- und Umweltdienstleistungen);
- die folgenden Ziffern verfeinern schrittweise: Gruppe, Klasse, Kategorie und Unterkategorie.
So steht 45000000 für Bauarbeiten insgesamt, 45400000 für Ausbauarbeiten, 45440000 für Anstrich- und Verglasungsarbeiten und 45442100 für Anstricharbeiten. Ein Zusatzvokabular erlaubt es, Merkmale wie Material oder Verwendungszweck zu ergänzen.
Die Verwendung des CPV in Bekanntmachungen ist europarechtlich vorgeschrieben und über die eForms auch in den deutschen und österreichischen Bekanntmachungen fest verankert. Der Auftraggeber wählt einen möglichst präzisen Hauptcode und ergänzende Codes, insbesondere wenn ein Auftrag in Lose unterschiedlicher Art aufgeteilt ist.
Was das für Unternehmen bedeutet
CPV-Codes sind die Grundlage einer belastbaren Ausschreibungssuche. Die Suchmasken von TED, des Bekanntmachungsservice unter oeffentlichevergabe.de und der meisten Vergabeplattformen filtern nach CPV, was das Rauschen reiner Stichwortsuchen vermeidet.
Bauen Sie Ihre Liste von Ihrem Leistungsspektrum aus auf und nehmen Sie mehrere Ebenen auf: präzise Codes für Ihr Kerngeschäft und breitere Oberbegriffe, damit Ihnen ungenau eingeordnete Bekanntmachungen nicht entgehen. Auftraggeber wählen nicht immer den treffendsten Code: Ein Beschilderungsauftrag kann je nach Vergabestelle als Lieferung, als Bauleistung oder als Dienstleistung erfasst sein.
Werten Sie regelmäßig aus, welche Codes in den Vergabebekanntmachungen der Aufträge stehen, die Sie gern gewonnen hätten, und passen Sie Ihre Liste an.
Beispiel
Ein Unternehmen für Industriereinigung stellt fest, dass ihm Bekanntmachungen entgehen. Es beobachtete nur 90910000 (Reinigungsdienste). Bei der Auswertung vergebener Aufträge entdeckt es, dass Auftraggeber auch 90911200 (Gebäudereinigung), 90919200 (Büroreinigung) und 90920000 (Hygienedienste) verwenden. Nach Aufnahme dieser Codes und des Oberbegriffs 90900000 findet es eine Rahmenvereinbarung eines benachbarten Klinikums über 350 000 € netto für vier Jahre.
Häufige Fragen
Kann eine Bekanntmachung mehrere CPV-Codes enthalten?
Ja, einen Hauptcode und ergänzende Codes, insbesondere je Los. Bei Vergaben mit mehreren Losen ist das die Regel.
Bestimmt der CPV-Code das Verfahren?
Nur mittelbar. Er trennt Bau-, Liefer- und Dienstleistungen, was den maßgeblichen Schwellenwert bestimmt. Für soziale und andere besondere Dienstleistungen gilt ein erleichtertes Regime.
Wo findet man die vollständige Codeliste?
Auf den Seiten der Europäischen Kommission, außerdem in TED und auf den meisten Plattformen mit Stichwortsuche.
Verwandte Begriffe
- Auftragsbekanntmachung
- EU-Amtsblatt und TED
- Bekanntmachungsservice des Bundes
- Vergabeplattform
- Losaufteilung
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