CPV-Codes: die Systematik verstehen und die eigenen auswählen

Wie die CPV-Systematik aufgebaut ist, 45 Abteilungen und über 9 400 Codes, eine Methode zur Auswahl der eigenen Codes und die häufigsten Fehler.

Aktualisiert am 5. September 2026

CPV-Codes sind das gemeinsame Vokabular der europäischen Auftragsvergabe. Jede Auftragsbekanntmachung im EU-Amtsblatt muss mindestens einen tragen, und seit der Umstellung auf eForms enthalten auch die nationalen Bekanntmachungen auf dem Bekanntmachungsservice oeffentlichevergabe.de ein CPV-Feld. Die Auswahl der eigenen Codes ist die lohnendste Entscheidung einer Ausschreibungsbeobachtung: Ein guter CPV-Filter erfasst die Bekanntmachung unabhängig von ihrer Formulierung, während eine Stichwortsuche einen Teil davon durchrutschen lässt.

Wie ein CPV-Code aufgebaut ist

Ein CPV-Code besteht aus acht Ziffern und einer Prüfziffer, zum Beispiel 45000000-7 für Bauarbeiten. Die Ziffern werden von links nach rechts gelesen, vom Allgemeinen zum Speziellen:

Ebene Maßgebliche Ziffern Anzahl Beispiel
Abteilung erste 2 45 45: Bauarbeiten
Gruppe erste 3 272 452: Komplett- oder Teilbauleistungen
Klasse erste 4 1 002 4523: Bau von Rohrleitungen und Straßen
Kategorie erste 5 8 135 45233: Straßen- und Autobahnbau
Unterkategorien 6 bis 8 über 9 400 Codes insgesamt 45233222-1: Pflaster- und Deckenerneuerungsarbeiten

Nullen am rechten Rand kennzeichnen eine generische Ebene: 72000000 deckt sämtliche IT-Dienstleistungen ab, 72200000 Programmierung und Beratung, 72260000 Dienstleistungen im Zusammenhang mit Software. Ein Zusatzvokabular aus alphanumerischen Codes erlaubt es, Material, Verwendung oder Ausführung zu präzisieren; deutsche Vergabestellen nutzen es selten.

Die wichtigsten Abteilungen

Die 45 Abteilungen reichen von 03 (Landwirtschaft) bis 98 (sonstige Dienstleistungen). Lieferungen liegen in den Abteilungen 03 bis 44, Bauleistungen allein in der Abteilung 45, Dienstleistungen in den Abteilungen 48 bis 98. Einige Anhaltspunkte:

Abteilung Bereich
30 Büro- und Datenverarbeitungsmaschinen
33 Medizinprodukte
34 Fahrzeuge und Transportmittel
39 Möbel
44 Baustoffe
45 Bauarbeiten
48 Software
50 Reparatur und Wartung
55 Hotel- und Verpflegungsdienste
71 Architektur- und Ingenieurleistungen
72 IT-Dienstleistungen
79 Unternehmensdienstleistungen: Beratung, Recht, Marketing, Personal
80 Bildung und Weiterbildung
85 Gesundheit und Soziales
90 Umwelt, Abfall, Reinigung
92 Kultur, Sport und Freizeit

Der offizielle CPV-Browser der Europäischen Kommission auf simap.ted.europa.eu erlaubt die Suche nach Beschreibung in allen Amtssprachen der Union, also auch auf Deutsch.

Methode zur Auswahl Ihrer Codes

1. Gehen Sie von dem aus, was Sie verkaufen, nicht von Ihrer Branchennummer

Der CPV beschreibt, was die Vergabestelle einkauft, nicht was Ihr Unternehmen tut. Ein technischer Dienstleister fällt je nach Leistung unter 50 (Reparatur und Wartung), 45 (Installationsarbeiten) und 71 (Ingenieurleistungen). Listen Sie Ihre Leistungen einzeln auf und suchen Sie für jede einen Code.

2. Steigen Sie von der Abteilung zur Kategorie ab

Notieren Sie zuerst die Abteilung, dann Gruppe und Klasse, die Ihre Tätigkeit beschreiben. Halten Sie auf der Ebene an, die noch zutrifft: Ein Cateringunternehmen gehört zu 55520000 (Verpflegungsdienste) und selten in eine feinere Unterkategorie.

3. Prüfen Sie an echten Bekanntmachungen

Suchen Sie auf TED und auf oeffentlichevergabe.de nach Vergabebekanntmachungen von Aufträgen, die Sie hätten gewinnen können, und notieren Sie die dort verwendeten Codes. Vergabestellen benutzen häufig generischere Codes als erwartet oder Codes aus einer Nachbarabteilung. Diese Prüfung deckt in einer Stunde die Codes auf, die Sie vergessen hätten.

4. Bilden Sie drei Kreise

Ordnen Sie Ihre Liste in drei Kreisen: den Kern (drei bis fünf präzise Codes, die Sie ausnahmslos verfolgen), den erweiterten Kreis (Elterncodes und Nachbarabteilungen, die Sie mit strengerer Nachsortierung verfolgen) und den Ausschluss (naheliegende, aber fachfremde Codes, die Sie ausdrücklich entfernen, um Rauschen zu vermeiden).

5. Ergänzen Sie die fehlende nationale Schlagwortebene

In Deutschland gibt es keine nationale Deskriptorenliste, die den französischen BOAMP-Deskriptoren entspräche. Diese Rolle übernehmen drei strukturierte Felder der eForms-DE-Bekanntmachung: die Auftragsart (Bauleistung, Lieferleistung, Dienstleistung), der Vergaberechtsrahmen (VOB/A, UVgO, VgV, SektVO, KonzVgV) und der NUTS-Code des Erfüllungsorts. Unterhalb der EU-Schwellenwerte, wo der CPV-Code gelegentlich fehlt oder grob gewählt ist, sind diese drei Felder plus eine Volltext-Synonymgruppe der beste Ersatz.

Beispiele für die Auswahl nach Tätigkeit

Tätigkeit Kern Erweitert
Büroreinigung 90910000, 90911200 90900000, 90600000, 98300000
Softwareentwicklung 72200000, 72260000 72000000, 48000000, 72500000
Berufliche Weiterbildung 80500000, 80530000 80000000, 79600000
Grünflächenpflege 77310000, 77314000 77300000, 45112700
Elektroinstallation im Gebäude 45310000, 45311000 45300000, 50700000, 31000000
Organisationsberatung 79410000, 79411000 79400000, 72220000, 73000000

Diese Listen sind Ausgangspunkte: Prüfen Sie sie an den Bekanntmachungen Ihrer Region, bevor Sie sie festschreiben.

Häufige Fehler

  • Nur ein Code. Eine Beobachtung auf einem einzigen Code verfehlt alle Bekanntmachungen, die die Vergabestelle in einen Elterncode oder einen Nachbarcode einsortiert hat. Zielen Sie auf drei bis zehn Codes.
  • Zu viel Präzision. Wer bis zur achten Ziffer absteigt, schließt sämtliche höher im Baum codierten Bekanntmachungen aus. Die Klassen- oder Kategorieebene genügt fast immer.
  • Nachbarabteilungen ignorieren. IT verteilt sich auf 72, 48, 30 und 50; das Bauwesen auf 45, 44, 71 und 50. Dienstleister vergessen regelmäßig die Lieferabteilung, die zu ihrer Leistung gehört.
  • CPV mit der WZ-Nummer verwechseln. Die Klassifikation der Wirtschaftszweige ordnet Ihr Unternehmen statistisch ein; in der Vergabe spielt sie keine Rolle.
  • Dem Code der Vergabestelle vertrauen. Die Vergabestelle wählt ihre Codes selbst, gelegentlich in Eile. Ein wichtiger Auftrag kann unter einem generischen Code wie 79000000 oder 98000000 laufen. Deshalb lohnt es, einige breite Codes im erweiterten Kreis zu behalten und mit Auftragsart, NUTS-Code und ein paar Stichwörtern nachzuschärfen.
  • Die Liste nie überarbeiten. Prüfen Sie Ihre Codes alle sechs Monate anhand der verpassten und der störenden Bekanntmachungen.

Checkliste

  • Liste Ihrer Leistungen, eine Zeile je Leistung.
  • Ein CPV-Code je Leistung, auf Klassen- oder Kategorieebene.
  • Prüfung an zwanzig aktuellen Vergabebekanntmachungen Ihrer Branche.
  • Drei Kreise definiert: Kern, erweitert, ausgeschlossen.
  • Auftragsart, Vergaberechtsrahmen und NUTS-Codes als Ergänzungsfilter notiert.
  • Liste in Ihren Benachrichtigungen auf oeffentlichevergabe.de, TED und den Vergabeplattformen Ihres Bundeslandes hinterlegt.
  • Überarbeitungstermin in sechs Monaten eingetragen.

In Österreich gilt dieselbe CPV-Systematik; die Bekanntmachungen sind allerdings auf ANKÖ, auftrag.at und die offenen Daten auf data.gv.at verteilt, sodass der CPV-Filter dort je Quelle einzeln gesetzt werden muss.

Der Leitfaden Ausschreibungsbeobachtung aufbauen erklärt, wie diese Codes mit Bekanntmachungsart, Region und Stichwörtern kombiniert werden. Scoutee nutzt CPV-Codes aus genau diesem Grund als Dreh- und Angelpunkt seiner Suchprofile.

Praxisleitfäden